ITZ-Siegel ab 2026 erstmals kostenpflichtig: was sich ändert
Warum führt die ITZ jetzt Gebühren ein?
Die ITZ wird von Transparency International Deutschland e.V. getragen. Bis 2025 konnte sich jede Organisation kostenlos anschließen und eine Transparenzseite mit zehn Kerninformationen führen. Das ITZ-Team prüfte diese Seiten auf Vollständigkeit und Plausibilität — bislang ohne Entgelt.
Die Initiative hat mit über 2.000 Unterzeichnerorganisationen gewachsen. Die bisherigen Finanzierungsquellen (Projektgelder wie DSEE-Förderung und freiwillige Spenden) reichten nach Einschätzung des Trägers nicht mehr aus für:
- Personal- und Verwaltungskosten für Prüfung und Monitoring
- den Ausbau der Qualitätssicherung
- die Modernisierung der ITZ-Plattform und Datenbank
Der ITZ-Verweis spricht explizit von einer Stabilisierung und Modernisierung. Die Teilnahme bleibt freiwillig. Quelle: ITZ-FAQ, ITZ-Leitfaden v1.8 (Stand 23.06.2026).
So hoch sind die Beiträge — gestaffelt nach Größe
Die Höhe richtet sich nach den jährlichen Gesamteinnahmen des vorletzten Geschäftsjahres (Referenzjahr 2026 = Einnahmen 2024):
| Stufe | Jahreseinnahmen | Netto/Jahr | Brutto (19 % USt.) |
|---|---|---|---|
| Sehr kleine Org. | < 2.000 € (außerg.) | 25,00 € | 29,75 € |
| Stufe 1 | bis 100.000 € | 50,00 € | 59,50 € |
| Stufe 2 | über 100.000 € | 100,00 € | 119,00 € |
| Stufe 3 | über 1.000.000 € | 200,00 € | 238,00 € |
| Stufe 4 | über 10.000.000 € | 400,00 € | 476,00 € |
Sehr kleine Organisationen (seit mindestens 2 Jahren in der Existenz und nachweislich mit unter 2.000 € Gesamteinnahmen in den letzten beiden Jahren) können ein reduziertes Entgelt beantragen. Die Stufenzuordnung erfolgt über das Online-Anmeldeformular, der Nachweis erfolgt per Jahresrechnung oder Jahresabschluss.
Quelle: ITZ-Teilnahmevereinbarung § 3, ITZ-FAQ.
Wie läuft die Zahlung ab?
- Referenzjahr: Die Einnahmen des vorletzten Geschäftsjahres bestimmen die Stufe (2026 = Einnahmen 2024).
- Nachweis: Jahresrechnung (Einnahmen-/Ausgabenrechnung) oder handelsrechtlicher Jahresabschluss wird über das Anmeldeformular hochgeladen.
- Zahlungswege: SEPA-Lastschrift oder Rechnung / Überweisung — die Organisation wählt.
- Fälligkeit 2026: Ausnahmsweise erst im Sommer 2026 (bei Einführung). Danach regulär im 1. Quartal jedes Jahres.
- Fälligkeit ab 2027: Jährlich im 1. Quartal, 14 Tage nach Rechnungsstellung.
- Stufe ändert sich: Bis 30. September des Jahres per E-Mail an itz-verwaltung@transparency.de melden — gilt ab Folgejahr.
Neue Organisationen: Bei Aufnahme bis 30. September wird das volle Jahresentgelt erhoben, ab Oktober erst ab dem Folgejahr. Noch nicht gegründete Organisationen sind zunächst Stufe 1.
Was bedeutet das für dich als Spenderin oder Spender?
Drei Punkte sind praktisch relevant:
- ITZ als Transparenzsignal bleibt nützlich — auch kostenpflichtig. Die ITZ prüft weiterhin die Vollständigkeit von zehn Kerninformationen. Dass eine Organisation dafür einen Beitrag zahlt, ändert nichts an der Prüfungsmethodik: Es bleibt eine Transparenz- und keine Finanz- oder Wirkungsprüfung.
- Ein fehlendes ITZ-Siegel bedeutet nicht automatisch Intransparenz. Auch vorher haben viele seriöse Organisationen kein ITZ-Teilnahme geführt — aus Kostengründen, weil sie kleiner sind, oder weil sie andere Nachweise (DZI, Spendenzertifikat) bevorzugen. Mit dem neuen Entgelt ist dieses Argument nachvollziehbarer geworden — aber kein neues Kriterium.
- Die Kosten sind im Verhältnis zur Transparenzleistung moderat. 50 bis 400 € netto im Jahr sind keine Schikane für Organisationen. Im Kontext der DZI-Prüfkosten oder Wirtschaftsprüfungen ist es ein eher moderater Betrag — auch wenn es für sehr kleine Vereine schon spürbar sein kann. Deshalb die Reduktion auf 25 € für unter 2.000 €-Organisationen.
Kombiniere das ITZ-Signal weiterhin mit anderen Prüfpunkten. Mehr dazu im Ratgeber Spendensiegel vergleichen und Seriöse Organisation erkennen.
Können sich alle Organisationen das leisten?
Die gestaffelte Struktur zeigt, dass die ITZ explizit kleine Organisationen im Blick hat:
- Die Einstiegsstufe (bis 100.000 € Einnahmen) liegt bei nur 59,50 € brutto pro Jahr.
- Sehr kleine Organisationen (unter 2.000 €) zahlen nur 29,75 €.
- Die oberste Stufe (über 10 Millionen €) ist mit 476 € brutto im Verhältnis zum Budget verhältnismäßig.
Eine Risiko-Abwägung: Es ist denkbar, dass einige sehr kleine Organisationen — selbst 29,75 € sind eine Hürde — die Teilnahme aus Kostengründen wieder beenden. Ob und in welchem Ausmaß das passiert, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Transparency Deutschland hat zudem eine Einzelfall-Regelung vorgesehen: Bei besonderen Gründen kann ein geringeres Entgelt festgesetzt werden.
Praktisch fürs Spenden: Wenn eine Organisation kein ITZ-Siegel hat, prüfe trotzdem Gemeinnützigkeit, Jahresbericht und den offiziellen Spendenweg. Mehr im 7-Punkte-Check.
Hintergrund: wie die ITZ früher finanziert wurde
Bis 2025 stützte sich die ITZ auf zwei Finanzierungsquellen:
- Projektgelder: u. a. eine Förderung durch das Deutsche Spenden-Exzellenz-Programm (DSEE), die den Ausbau der ITZ-Plattform in Version 2.0 finanzierte.
- Freiwillige Spenden der Unterzeichner: Organisationen wurden gebeten, einen freiwilligen Beitrag zu leisten — in Bandbreiten von 50 bis 2.000 € (regelmäßig) bzw. 150 bis 6.250 € (einmalig). Ein Zahlungspflicht bestand nicht.
Die Umstellung auf das gebundene Beitragsmodell bedeutet: Wer fortan teilnehmen will, muss der neuen Teilnahmevereinbarung zustimmen, die die AGB und das Entgelt regelt. Die Zustimmung erfolgt über ein Online-Formular, das die Neuregistrierung mit Beitragsstufen-Wahl bündelt.
Quelle: ITZ-Spendenseite (voluntäres Modell), ITZ-AGB.